Vom Vermissen und Gebrauchtwerden

am

Jemanden zu vermissen tut weh. Jedoch mögen wir es von anderen vermisst zu werden und sind sogar zuweilen etwas beleidigt, wenn es nicht so ist. Vermissen wird oft mit dem Grad der Liebe zu jemandem gleich gesetzt.

Genauso verhält es sich mit dem Gefühl gebraucht zu werden. Es gibt einen Sinn, eine Wichtigkeit im Leben.

Nun ist es jedoch so, dass mein kleiner Sohn, der nun seit zwei Wochen bei Oma und Opa ist, mich weder vermisst, noch momentan irgendetwas von mir braucht. Ich weiß, dass er mich liebt und ich weiß auch, dass es ihm wunderbar geht und er viel Spaß bei den Großeltern hat. Dennoch kratzt es an meinem Ego und ich fühle mich weniger wichtig.

In diesen Momenten versuche ich mich daran zu erinnern im Jetzt zu sein. Dankbar zu sein für die liebevolle Führsorge, die mein Kind gerade genießt und meine Freiheit, Dinge zu tun, für die sonst keine Zeit wäre. Einfach das zu lieben, was gerade ist. Und dankbar zu sein, nicht vermisst und gerade auch mal nicht gebraucht zu werden und trotzdem wichtig zu sein. So wie mein kleines weises Kind das zu sehen, was gerade Wunderbares da ist, statt darüber zu sinnieren, was gerade fehlt.

Energie folgt der Aufmerksamkeit und Vermissen bedeutet Mangel. Ich wünsche niemandem im Mangel zu sein. Schon gar nicht denen, die ich liebe.

… und auch nicht mir selbst.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grinsekatz sagt:

    Danke, auch dir ein gutes Wochenende 🍀

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  2. Grinsekatz sagt:

    Liebe Julia,

    ich freue mich für dich, dass dir so viel Bewusstsein möglich ist. Das ist nicht selbstverständlich, ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, mit meiner ersten Frau, die Mutter meines mittlerweile erwachsenen Sohnes. Sie wurde regelrecht zornig, wenn der damals Kleine mit seiner Oma im Spiel selbstvergessen war und sie nicht beachtete.

    Herzlichen Gruß, Reiner

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    1. Julia sagt:

      Lieber Reiner,

      den Zorn darüber, nicht beachtet zu werden, kenne ich auch. Aber er ist nur da, wenn ich mich selbst zu wenig (be)achte. Wenn ich der Meinung bin, etwas von anderen zu brauchen, um mich besser zu fühlen. Und das setzt voraus, dass es mir im Grunde nicht gut geht oder ich traurig über etwas bin, vielleicht über etwas, das schon ewig lange her ist. Etwas, das angeschaut und geheilt werden möchte. Vielleicht ging es deiner Frau auch so…
      Ich bin der Meinung, dass alle Wut sich auf ein eigenes Verletztsein gründet. Und das geht nur mit Annahme und Liebe weg. Es ist schwer, aber es lohnt sich. Und Mutter zu sein ist ein echt harter Job, bei dem viele Frauen vergessen sich selbst zu sehen und sich dann beschweren, von anderen auch nicht mehr gesehen zu werden.
      Hab ein schönes Wochenende!
      Julia

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