Alles ist verbunden

am

Heute Morgen starb eine Amsel in meinen Händen. Um genauer zu sein ein Amselmann. Ich fand ihn auf der Straße, die dünnen Beinchen nach oben. Ich hob ihn auf und hockte mich mit ihm ins Grüne, gleich neben der alten Friedhofsmauer. Wie passend, dachte ich. Irgendwie war klar, dass er nicht mehr lange lebt. Ich hielt ihn in meinen Händen und sang leise ein Lied. Bis ein junger Mann dazu kam und uns Gesellschaft leistete. Er wollte wohl helfen, obwohl es nichts zu helfen gab. Trotzdem rührte es mich. Ein völlig Fremder blieb solange er konnte. Aus Anteilnahme und Mitgefühl.

So etwas verbindet, wo wir doch im Grunde alle miteinander verbunden sind. Ein großes Geflecht unzähliger Wesen, welche an die Illusion der Trennung glauben.

Als wir wieder allein waren, der Amselmann und ich, sang ich wieder für ihn. Da schaute er zum letzten Mal groß in die Welt, atmete noch einige Male und blieb dann still. Ich legte ihn ins Scharbockskraut und wünschte ihm eine gute Reise.

Es ist, wie es ist. Es macht mich nicht traurig, denn ich betrachte den Tod nicht als Ende. Ich bin dankbar für diese Erfahrung, denn vielleicht erleichtert Liebe und Mitgefühl den Übergang.

Und ich danke auch dem Fremden, für seine Gesellschaft und Anteilnahme. Das ist nicht selbstverständlich, obwohl es das wohl sein sollte.

Also, wo auch immer du bist,

Danke!

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